Schlechte Ernten, weniger Milch und Butter, kaum Wildlachs. FRoSTA muss Preise erhöhen, um Qualität zu halten.

Hinnerk Ehlers (Vorstand) 28.09.2016
10 Kommentare

Bei drastisch steigenden Rohwarenpreisen gab es früher (vor dem FRoSTA Reinheitsgebot) viele Möglichkeiten auf andere Rohwaren umzustellen und Geschmack und Optik mit Geschmacksverstärkern, Farbstoffen und Aromen ‚aufzupimpen‘. Aber genau das tun wir eben nicht mehr. Seit über 13 Jahren kommen bei uns keine Zusatzstoffe in die Produkte. Zusatzstoffe werden ja hauptsächlich dafür eingesetzt, Produkte billiger zu machen, weil man eben genau dadurch auf qualitativ hochwertige Rohwaren verzichten kann.

Im Laufe diesen Jahres haben sich viele Rohwaren, die wir in unseren Produkten verwenden, drastisch verteuert. Ein paar Beispiele möchte ich gern herausstellen, die zudem verdeutlichen, dass es auf die Details ankommt.

Gemüse:

Nach signifikanten Ernteausfällen asiatischer Gemüsesorten zu Beginn des Jahres, wurden auch die Gemüseernten in Europa von schlechten Wetterbedingungen negativ beeinflusst. Hagel und Starkregen im Frühsommer und die anschließende wochenlange extreme Trockenheit ließen die Ernten von sehr vielen Gemüsesorten dieses Jahr deutlich geringer als gewohnt und geplant ausfallen. Nicht nur unsere eigenen Anbaugebiete sind direkt betroffen sondern auch die im benachbarten Ausland. Unsere Landwirte schätzen, dass die Ernte wichtiger Gemüse (u.a. Erbsen, Bohnen, Spinat, Kartoffeln, Karotten ) um bis zu 30% geringer ausfallen wird, und unser Einkauf bestätigt sehr stark steigenden Preise durch diese Verknappung.

Butter und Milch:

Und damit nicht genug, auch die Preise für Molkereiprodukte „explodieren“ geradezu, nach dem die Milchproduktion aufgrund von Nichtlieferprämien in ganz Europa drastisch gesunken ist. Auch hier geht also das Angebot zurück und die Preise steigen stark ( z.B. Butter um über 70 % innerhalb von 3 Monaten ). Vor dem Reinheitsgebot hätten uns steigende Butterpreise wohl nicht aus der Ruhe gebracht, denn wir hätten einfach mit Betacarotin gefärbte Margarine genutzt, die auch noch viel billiger ist.

Wildlachs:

Auch und insbesondere bei Wildlachs lässt sich die Komplexität unserer Rohwaren gut herausstellen. Es gibt verschieden Arten von Wildlachs. Wir verwenden z.B. den MSC Wildlachs Pink (Gorbuscha), daneben gibt es den sogenannten Chum Wildlachs (Keta), Dieser ist nur dann deutlich preiswerter, wenn man ihn in einer blassen, eher grauen Farbe akzeptiert. Neben diesen beiden Arten gibt es noch drei weitere Wildlachsspezies, den Coho (Silberlachs), den King (Königslachs) und den Sockeye (Rotlachs). Alle drei Arten kommen nicht so häufig vor. Aufgrund ihres Marktwertes und der starken Nachfrage müssen wesentlich höhere Preise akzeptiert werden.

Die Fänge von MSC-Wildlachs Pink liegen in Alaska dieses Jahr etwa 75% unter denen des Vorjahres. Das Problem ist nicht etwa die Überfischung des Wildlachs, sondern in erster Linie der natürliche Lebenszyklus des Pinks, der die Höhe der Anlandungen beeinflusst. Diese schwanken in einem zweijährigen Rhythmus. Die besonders niedrigen Anlandemengen in diesem Jahr, die niedrigsten seit 40 Jahren, sind zurückzuführen auf den El Nino-Effekt, der auch zu einer teilweisen Erwärmung der Gewässer im Nordpazifik führte.

Wir könnten auf Wildlachs Chum umsteigen, wollen dies aber nicht, da sich unsere Produkte dann im Charakter und der Qualität stark verändern würden.

Weitere Aspekte:

Neben den erläuterten Beispielen macht uns der weiterhin sehr schwache Euro stark zu schaffen, denn einen guten Teil unserer Rohwaren müssen wir in US $ bezahlen. Wir waren deshalb bereits letztes Jahr gezwungen die Preise etwas anzuheben, aber nun müssen wir den zweiten Schritt gehen. Selbstverständlich suchen unsere Einkaufspezialisten stets nach Alternativen. Aber wir kaufen eben keine Zutaten auf sogenannten Spotmärkten, sondern immer im Ursprung. Außerdem erschweren unsere hohen Ansprüche an die Qualität schnelle Wechsel zwischen Lieferanten. Denn auch in Zutaten dürfen keine Zusatzstoffe oder technologische Hilfstoffe eingesetzt werden, wenn die Zutaten in ein FRoSTA Produkt einfließen sollen. Auch bei Gemüse sind wir sehr streng, so verarbeiten wir kein Gemüse, welches in Gewächshäusern aufgezogen wurde. Neben den Kostensteigerung gibt es sicherlich auch Zutaten bei denen wir eine Preissenkung heraus handeln konnten, aber in diesem Herbst überwiegen die Kostensteigerungen so massiv, dass wir reagieren müssen.

Sie können sich also auf die gewohnt hohe Qualität bei FRoSTA verlassen. Aber natürlich (wie passend das Wort hier ist) zu leicht höheren Preisen. Echte Qualität hat eben seinen Preis.

Wir bedanken uns herzlich für Ihre Treue.

Hinnerk Ehlers

 

10 Kommentare
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Tom
28.09.2016  at 17:15 Lieber Qualität statt Quantität. Vorbildlich, vielleicht schonmal daran Gedacht, nicht für die Grosse Maße in solchen Zeiten zu produzieren?
Könnten manche Zutaten durch saisonale ersetzt werden?
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Maikel
29.09.2016  at 06:29 Die Milch und -Produkte werden im Supermarkt immer billiger, weil bekanntermaßen viel zu viel davon produziert wird, und weil Russland als Markt weggefallen ist.

Wo kaufen Sie ein, daß ihre Milch-Preise explodieren?

BTW: Von der letzten Preiserhöhung habe ich bei meinem Edeka nichts mitbekommen.
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Hinnerk Ehlers (Vorstand)
03.11.2016  at 16:57 Hier nun die aktuellen Meldungen. Wie angekündigt gehen die Preise hoch: http://www.nordkurier.de/nachrichten/ticker/milchpreise-steigen-kraeftig-0225856511.html Antworten
Hinnerk Ehlers
29.09.2016  at 13:09 Lieber Maikel, es ist ja gerade diese Situation, die Sie beschreiben, die die EU dazu veranlasst hat einzugreifen. Es gibt jetzt eine Prämie, um die Bauern zu motivieren weniger zu produzieren. 10.000 Landwirte allein Deutschland wollen ihre Produktion drosseln. Das führt zu den stark steigenden Preisen. Hier zwei Links mit Details.

http://www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Agrarwirtschaft/10-000-deutsche-Milchbauern-wollen-Produktion-drosseln_article1475013726.html

http://www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Agrarwirtschaft/Zweite-Antragsrunde-fuer-EU-Milchprogramm-startet_article1475059544.html

Zur Preisgestaltung einzelner Händler kann ich nichts sagen, da diese selbst für sich kalkulieren müssen. Wir als Hersteller haben auch keinen Einfluss auf den Regalpreis, den legt jeder Händler individuell fest.
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Jürgen Hestermann
29.09.2016  at 10:55 Ja, das kann ich auch nicht ganz nachvollziehen. Aldi hat (mal wieder) gerade den Preis für Markenbutter gesenkt (nicht erhöht):
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/discounter-aldi-senkt-den-butterpreis/10635928.html
Dort steht auch: "...und reagiert damit auf den Preisverfall auf den Erzeugermärkten". Komisch, dass ihr davon nichts mitbekommt.
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Jürgen Hestermann
29.09.2016  at 18:37 Habe gerade gesehen, dass mein Link von 2014 ist! Das ist dann wohl nicht gerade aktuell ;-) Antworten
Hinnerk Ehlers (Vorstand)
03.11.2016  at 16:56 Hier nun die aktuellen Meldungen. Wie angekündigt gehen die Preise hoch: http://www.nordkurier.de/nachrichten/ticker/milchpreise-steigen-kraeftig-0225856511.html Antworten
Matti
05.10.2016  at 10:27 Ich finde, dass eine gleich bleibende Qualität wichtig ist, um auch die Stammkunden zu halten. Allerdings werden vor allem Menschen mit schlechten Einkommen an dieser Stelle wieder benachteiligt werden. Diese werden vielleicht sogar die Marke wechseln. Ich hoffe, dass die Preisanstiege in den nächsten Jahren nicht zu stark sein werden. Frosta ist eines der besten Marken in diesem Bereich, empfinde ich persönlich, andere Produkte können mich persönlich auch nicht wirklich überzeugen. Antworten
Kai
08.10.2016  at 13:23 Gleichbeibende Qualität ist in meinen Augen der wichtigste Faktor. Allerdings können wir uns keine Preise ins unendliche leisten, daher hoffen wir auf akzeptable Preiserhöhungen, auch wenn ich verstehen kann, dass in solchen Situation die Preise angepasst werden müssen, Aktuell haben wir beim Einkauf noch nichts gemerkt, mal schauen, ob sich die Preiserhöhungen stark bemerkbar machen. Bin ganz Mattis Meinung, Frosta sind die besten auf ihrem Gebiet! Antworten
Martin S.
24.10.2016  at 10:33 Ich kann verstehen, wenn aufgrund gestiegener Rohstoffpreise irgendwann die Preise für den Endkunden nachziehen müssen. Was mich jedoch immer ein wenig wundert: Es passiert nie andersrum! Korrigiert mich, falls ich falsch liegen sollte, aber ich kann mich weder an Preisvergünstigungen, noch an erhöhte Beutelgrößen erinnern. Es wurde immer entweder teurer oder weniger. Mein Verständnis für vorübergehende Preiserhöhungen ist absolut vorhanden, ich erwarte dann aber auch wieder Preisnachlässe! Antworten

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